Rüffel für Netzschkaus Stadtchef
Kommunalaufsicht fordert Protokolle an und hält Bürgermeister Werner Müller eigenartige Rechtsauslegung vor
Netzschkau. Die Kommunalaufsicht des Landratsamtes nimmt jetzt den saloppen Umgang mit Beschlüssen und Protokollen in Netzschkau unter die Lupe. "Die Aufsichtsbehörde fordert von der Stadtverwaltung Unterlagen an", erklärt Kerstin Büttner, Pressesprecherin des Landratsamtes. Auslöser ist ein Bericht in der "Freien Presse" vom 16. August, in dem Ungereimtheiten im Zusammenhang mit den Plänen zum Schlossverkauf und insbesondere zur Rolle von Bürgermeister Werner Müller (SPD) beleuchtet worden sind. Müller hatte noch im Jahr 2007 Verhandlungen zum Verkauf des Netzschkauer Schlosses mit einem inzwischen rechtskräftig wegen Betrugs verurteilten Finanzberater geführt, obwohl Stadträte bereits 2005 per Beschluss einen Riegel vorgeschoben hatten.
Doch jener Beschlusstext ist im Protokoll auf wundersame Weise umformuliert worden. Während im Beschluss "alle Verhandlungen" zum Schloss-Verkauf untersagt sind, schränkt das Protokoll ein: "alle Verhandlungen mit der Firma Telewatt AG". Und damit rechtfertigt Müller heute sein Agieren. Wohl habe er mit dem jetzt verurteilten Finanzberater weitere Verhandlungen geführt, jedoch habe dieser "als Privatperson" gehandelt, nicht als Telewatt-Vertreter. Doch die Grundlage seines Handelns beginnt unter Müller wegzubrechen: Das Protokoll wirft nicht nur inhaltliche Fragen auf, es entspricht auch nicht den formellen rechtlichen Erfordernissen, die in der Sächsischen Gemeindeordnung geregelt sind. Dort heißt es in Paragraf 40, Absatz 2: "Die Niederschrift ist vom Vorsitzenden, zwei Gemeinderäten, die an der Sitzung teilgenommen haben, und dem Schriftführer zu unterzeichnen." Sie ist zudem spätestens zur nächsten Sitzung dem Gemeinderat zur Kenntnis zu bringen. Über vorgebrachte Einwendungen entscheidet der Gemeinderat. Die Einsichtnahme ist, so fordert es die Gemeindeordnung, auch den Einwohnern gestattet.
Mit dem rechtlichen Rahmen konfrontiert, kontert Werner Müller am Freitag mit der Geschäftsordnung der Stadt Netzschkau: "Nach Paragraf 23 Absatz 6 obliegt die Führung der Niederschriften dem Bürgermeister. Diese Verfahrensweise ist seit 1994 in der Stadt Netzschkau gängige Praxis und durch die Stadträte mit dem Beschluss der Geschäftsordnung beschlossen." Doch an dieser Stelle widerspricht Cornelia Panzert, Leiterin des Kommunalamtes: "Alle Protokolle der Gemeinderatssitzungen und der beschließenden Ausschüsse müssen vom Vorsitzenden, vom Schriftführer und von zwei anwesenden Gemeinderäten unterzeichnet werden." Die Netzschkauer Geschäftsordnung sei nicht zu beanstanden, wohl aber Müllers Auslegung: Wenn der Bürgermeister glaube, er müsse Protokolle nicht von zwei Stadträten unterzeichnen lassen, "dann ist das eigenartig und kann nicht als Begründung herangezogen werden", erklärt die Kommunalamts-Chefin. Welche Konsequenzen sich aus den Verstößen ergeben, ließ Panzert offen. Ohnehin seien in erster Linie die Netzschkauer Stadträte gefordert, ihren Bürgermeister zu kontrollieren.
Freie Presse 25.09.2010
Geprellte Anleger fordern Hunderttausende zurück
Betroffene reagieren auf Presseberichte: Neue Vorwürfe gegen den inzwischen wegen Betrugs verurteilten Schloss-Kaufinteressenten
Reichenbach/Falkenstein. Neue Verstrickungen um die 2005 in Netzschkau aufgetauchten Kaufin-teressenten für das Schloss: Demnach soll der als Verhandlungsführer der Telewatt.com AG aufgetretene Finanzberater, der vor fünf Wochen vom Amtsgericht Auerbach wegen Betrugs in Höhe von 160.000 Euro verurteilt worden ist, wesentlich mehr Anleger geprellt haben. Fünf Betroffene aus Reichenbach, Lengenfeld und weiteren Orten haben sich nach "Freie Presse"-Veröffentlichungen gemeldet, sie alle fordern von dem rechtskräftig verurteilten Mann die Rückzahlung der von 2002 bis 2005 gezahlten fünf- und sechsstellige Beträge. Zusammen hatten sie gut 270.000 Euro angelegt, die Forderungssumme betrage heute inklusive Zins und Zinseszins 665.000 Euro. Die Zinssätze lagen bei 20 Prozent.
Das Geld habe der als Finanzdienstleister aufgetretene "Geschäftsmann" über einen Mittelsmann kassiert, dessen Firma zunächst in Plauen ansässig war, später bei Reichenbach. Einige Anleger hätten anfangs wenigstens etwas ausgezahlt bekommen, andere berichten, sie seien vertröstet und die Kredite fortgeschrieben worden. Alle fünf Geprellten hatten Verträge aus dem Jahr 2008, die im Februar oder März 2010 ausgelaufen wären. Doch das Geld floss nicht.
"Mir wurde gesagt, die genaue Höhe der Zinsen sei erst nach Ablauf des Geschäftes klar. Es soll dabei um Anlagen in Dubai und anderswo gegangen sein", erklärte ein Anleger. Ein anderer habe gesagt bekommen, dass die Banker ihre Zinssätze auf dem bankeigenen Golfplatz aushandeln würden. Auch habe der Vermittler deutlich gemacht, dass es sich bei den zumeist fünfstelligen Summen ohnehin nur um "Peanuts" handele. Die fünf Anleger bekräftigen einhellig, ihnen sei versichert worden, dass es um eine si-chere Bankanlage bei einer bekannten Bank gehe. Als die Anleger ihre Einlage zurückforderten, weil die Zahlungen ausblieben, seien sie mit Ausreden vertröstet worden. Das Geld liege in Frankfurt (Main), allerdings habe die Bank eine Revision. Die Revision habe sich über Jahre hingezogen, so einer der Geprellten. Dann habe es geheißen, die Eröffnung einer Filiale in Chemnitz stehe bevor, dort könne das Geld abgeholt werden, aber auch daraus sei nichts geworden. Auch die Forderung nach einem Nachweis über die Einzahlungen des Geldes auf ein Bankkonto seien nicht erfüllt worden. "Eine Lüge löste die andere ab", schimpft einer der Männer. Die betroffenen Vogtländer erklären, dass sie weitere Geprellte kennen, die den Finanzberatern ebenfalls Geld gegeben hätten. Sie wollen die Sache jetzt öffentlich machen und Strafanzeige wegen Betrugs und Unterschlagung erstatten.
Der verurteilte Betrüger war 2005 in die Schlagzeilen geraten, als er mit einem Partner das Netzschkauer Schloss erwerben wollte. Bürgermeister Werner Müller (SPD) hatte dem Duo Unterstützung bis hin zu Empfehlungsschreiben gegeben und mindestens bis 2007 verhandelt, als die Stadträte dies nicht mehr wollten. Müller verteidigt auch heute sein Handeln. Viele Netzschkauer blieben jedoch skeptisch und wiesen von Beginn an auf unübersehbare Widersprüche hin.
Freie Presse 22.09.2010
Protokoll bringt Bürgermeister in Bredouille
Diskrepanz zwischen Beschlusstext und Protokoll-Formulierung öffnete Hintertür für Verhandlungen um den Schlossverkauf
Netzschkau. Der Netzschkauer Bürgermeister Werner Müller (SPD) bleibt wegen seines Alleingangs zum Verkauf des Schlosses unter Druck. Dabei rückt zunehmend die Frage in den Mittelpunkt: Wie konnte ein am 10. Oktober 2005 von Stadträten gefällter Beschluss im Sitzungsprotokoll so umformuliert werden, dass sich für Müller ein Schlupfloch öffnete, um ohne Wissen der Stadträte weiter verhandeln zu können?
In jener gemeinsamen Ausschusssitzung vor fünf Jahren beschlossen Stadträte, „alle Verhandlungen zur Privatisierung des Schlosses in dieser Legislaturperiode zu beenden bzw. abzubrechen". Doch in dem jetzt auf öffentlichen Druck hin von Bürgermeister Müller vorgelegten Protokoll liest es sich anders. Dort ist der Beschluss zum Verhandlungs-Stopp auf die "Firma Telewatt AG" beschränkt. "Wie konnte die Firma Telewatt in den Beschluss geraten?", fragt Schlossvereins-Vorsitzender Volker Steps und fordert den Bürgermeister zur öffentlichen Stellungnahme auf. Und an die Adresse des Netzschkauer Stadtparlaments gerichtet, sagt er: "Jetzt müssen die Stadträte hinterfragen, wie so etwas zustande kommt und was ihre Beschlüsse wert sind." Die Öffentlichkeit habe auch deshalb ein Recht, weil die Verhandlungen vor fünf Jahren "fast ausschließlich hinter verschlossenen Türen stattgefunden haben", so der Vereinschef.
Werner Müller erklärt die Dis-krepanz zwischen Beschlusstext und Protokoll-Formulierung schriftlich wie folgt: „Es ist nichts Außergewöhnliches, dass insbesondere bei sporadisch eingebrachten Anträgen die Stadträte im Rahmen der Diskussion Ergänzungen oder Änderungen zum ursprünglichen Antrag machen." Diese Problematik sei bei fast allen Kreistagssitzungen so zu erleben. Doch wer hat die Umformulierung veranlasst, wer hat sie vorgenommen? Ist dies bewusst oder versehentlich erfolgt? Zu diesen Fragen bleibt Müller vage. Jene kleine Änderung im Protokoll ist alles, was der Bürgermeister bislang als Begründung für die weiteren Verhandlungen zum Schlossverkauf vorgebracht hat. Und die sind kein Ruhmesblatt, wie sich vor vier Wochen bei einem Prozess am Amtsgericht Auerbach erweisen sollte. Dort musste der als Zeuge geladene Müller einräumen, mindestens bis 2007 mit jenem Vertreter der Telewatt.com ÄG Verhandlungen geführt zu haben, der nun wegen Betrugs in Höhe von 160.000 Euro verurteilt worden ist. Dabei hatten schon 2005 Teile des Stadtrats und Medien vor den dubiosen Verstrickungen jener Firma und ihrer Protagonisten gewarnt. Nun allerdings argumentiert der Bürgermeister, er habe mit dem jetzt verurteilten Betrüger seinerzeit "als Privatperson" verhandelt, nicht als Vertreter der Firma Telewatt.com. Unterdessen sind bislang nur wenige Aktivitäten aus dem Stadtrat bekannt geworden, um Klarheit zu schaffen. Einzig der Gewerbeverein hat öffentlich von Müller Antworten verlangt. "Wir haben Akteneinsicht gefordert", sagt Mike Purfürst, Fraktionschef des Gewerbevereins und zugleich stellvertretender Bürgermeister. Doch das gestalte sich schwierig, weil Müller bremse. Notfalls dauere es halt etwas länger, sagt Purfürst, "doch wir geben uns mit den bisherigen Aussagen nicht zufrieden". Wenn der Bürgermeister weiter blockt, werde man die Kommunalaufsicht des Landratsamtes
Freie Presse 16.09.2010
Vize an Bürgermeister. Es gibt Klärungsbedarf
Werner Müller und die heimlichen Schloss-Verhandlungen
Netzschkau. Der vor fünf Jahren geplante und letztlich gescheiterte Verkauf des Netzschkauer Schlosses wird jetzt nochmals im Stadtrat zum Thema. Insbesondere soll dort Bürgermeister Werner Müller (SPD) seine Rolle im Umgang mit den dubiosen Investoren erklären, fordert Mike Purfürst, Fraktionsvorsitzender des Gewerbevereins und zugleich Müllers Stellvertreter. Wenn der Bürgermeister einen gültigen Stadtratsbeschluss ignoriert und heimlich mit der Firma Telewatt.com weiter über den Schloss-Verkauf verhandelt hat, "dann können wir das so nicht stehen lassen", betont Purfürst. "Es gibt großen Klärungsbedarf."
In einer Verhandlung am Amtsgericht Auerbach hatte der als Zeuge geladene Bürgermeister bei der Befragung durch Amtsrichter Bernd Fischer Alleingänge eingeräumt. Demnach hat Müller mindestens zwei Jahre nach dem Beschluss, die Aktivitäten zum Schloss-Verkauf zu beenden, weiter mit der Firma verhandelt. Und: Er hat 2007 dem Verhandlungsführer der Telewatt.com AG sogar ein Empfehlungsschreiben ausgestellt. Doch jener Geldjongleur ist am Mittwoch vom Amtsgericht wegen Betrugs verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er eine Frau um 160.000 Euro geprellt hat. Ein weiteres, ähnlich gelagertes Verfahren ist anhängig.
Werner Müller saß zwar am Mittwoch in Auerbach im Zeugenstand, blieb aber gestern für die "Freie Presse" unerreichbar. Er weilt zurzeit im Urlaub, hieß es aus der Stadtverwaltung, die den dringenden Gesprächswunsch allerdings weiterleiten wollte. Doch auch über Müllers Handy gelang keine Kontaktaufnahme. Müllers Verstöße gegen den Stadtratsbeschluss könnten auch ein Fall für die Kommunalaufsichtsbehörde sein. Eine gestern an das Landratsamt gestellte Anfrage der "Freien Presse" blieb bislang unbeantwortet.
Freie Presse 21.08.2010
Telewatt.com insolvent
http://www.indat.info/insolvenzen_gerichte/Frankfurt_M..html
http://www.versteigerungskalender.de/insolvenzen_pdf.php?file=1027ng
Anleger fürchten um ihr Geld
Anleger der in Frankfurt ansässigen Telewatt.com Vermögensverwaltungs AG fürchten um die Auszahlung Ihrer Kapitalanlage. Wie bei der Göttinger Gruppe ist wieder eine atypisch stille Gesellschafterbeteiligung betroffen.
Auf Grund der Entscheidung des BGH aus dem Jahre 2004 versuchten Anleger das eingezahlte Geld wieder zu erhalten. Selbst auf anwaltliche Aufforderungsschreiben erfolgte von der Anlagegesellschaft keinerlei Reaktion. Auch in den darauffolgenden Gerichtsverfahren wurde die Gesellschaft aufgefordert, sich zu den Zahlungsverlangen der Anleger zu äußern. Auch hierauf reagierte die Gesellschaft nicht. In einem Fall liegt bereits ein rechtskräftiges Urteil vor, das die Gesellschaft verpflichtet, an einen Anleger mehr als 5.000 ? zu zahlen. Da das Urteil rechtskräftig ist, steht die Zahlungsverpflichtung der Telewatt.com nunmehr endgültig fest.
Anleger der Telewatt.com sollten in Anbetracht dieser Situation überprüfen, ob Sie ihre gezahlten Einlagen zurückverlangen können. Nach der bereits erwähnten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes liegen Rückzahlungsansprüche dann vor, wenn der Anleger vor Leistung seiner Unterschrift nicht ausreichend beraten wurde. In vielen Fällen der atypisch stillen Beteiligung wurden Anleger gar nicht darüber aufgeklärt, worum es sich bei dieser Anlageform handelt. Auch wurde oftmals das Risiko, das eingesetzte Kapital vollständig zu verlieren, gar nicht erwähnt oder verharmlost. Anleger der Telewatt.com sollten die Situation ernst nehmen, da die fehlende Reaktion der Gesellschaft auf anwaltliche und gerichtliche Aufforderungen ein Merkmal für eine wirtschaftlich problematische Situation sein kann. Eine dauerhafte Zahlungsunfähigkeit in Form einer Insolvenz ist erfreulicherweise jedoch nicht in den öffentlichen Publikationen registriert.
Durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) im Jahre 2004 konnten viele Anleger von atypisch stillen Beteiligungen vorzeitig aus den Verträgen aussteigen und die kompletten Einzahlungen von der Anlagegesellschaft zurückverlangen. Von dieser Entscheidung konnten waren vor allem Anleger der bundesweit bekannt gewordenen ?Göttinger Gruppe" profitieren. Diese war bereits unmittelbar nach der Wende sehr stark in Sachsen aufgetreten. Nach und nach hatten sich weitere Gesellschaften gebildet, die ebenfalls atypisch stille Beteiligungen anpriesen. Zu diesen gehörte auch die Telewatt.com Vermögensverwaltungs Ag. Interessenten konnten über ein Vertriebsbüro in Plauen einen Zeichnungsschein unterschreiben. (Quelle:http://www.maack.de/index.php?id=87)
Maack Rechtsanwälte 20.05.2009
Bürgermeister gibt Betrüger Persilschein
Schloss-Interessent verurteilt
Auerbach/Netzschkau. Fünf Jahre nach dem Scheitern der Verkaufspläne für das Schloss Netzschkau sind jetzt bei einem Gerichtsverfahren neue Details ans Licht gekommen. So hat Bürgermeister Werner Müller offenbar noch zu einem Zeitpunkt mit Kaufinteressent Telewatt.com verhandelt, als der Stadtrat die Verhandlungen bereits gestoppt hatte. Der als Zeuge geladene Bürgermeister räumte ein, dass er einem Vertreter jener Firma im Jahr 2007 sogar ein Empfehlungsschreiben ausgestellt hat. Doch jener Finanzberater ist jetzt vom Amtsgericht Auerbach wegen Betrugs verurteilt worden. Er hat nach Überzeugung des Gerichts eine Falkensteinerin um 160.000 Euro geprellt. Ein als Zwischenhändler agierender Partner des Angeklagten konnte sich vor Gericht zunächst nicht an Geldüberweisungen erinnern, räumte diese dann nach Vorlage von Belegen ein. Richter Bernd Fischer bezeichnete den Angeklagten als "Täter, aber ein stückweit auch Opfer von Leuten, die geschäftlich gewandter sind als Sie". Unter Hinweis auf den smarten Geschäftspartner des Angeklagten, der vermutlich zumindest einen Teil des Geldes erhalten hat, fügte er an: "Einen davon haben wir heute hier als Zeugen gesehen. Der Bürgermeister war es aber nicht." (pstp/ur) - (Bericht & Kommentar siehe nächsten Artikel)
Hotel und andere Träume geplatz
Finanzberater verurteilt - Gericht rollt Schloss-Pläne auf
Auerbach/Netzschkau. Wegen Betrugs ist ein Finanzberater aus einem Dorf nahe Falkenstein am Mittwoch am Auerbacher Amtsgericht verurteilt worden. Die von Richter Bernd Fischer verhängte Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wurde auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt. Zusätzlich muss der Mann 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und die Verfahrenskosten tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Reichenbacher Geschäftspartner des Angeklagten konnte wegen anderer Verpflichtungen nicht als Zeuge aussagen. Er stand zeitgleich wegen Konkursverschleppung in Frankfurt/Main vor Gericht. Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass der Finanzberater eine Falkensteinerin um mehr als 160.000 Euro geprellt hat. Die Frau hatte ihm zwischen März 2006 und August 2007 Geld anvertraut, in Erwartung einer sicheren Anlage. Sie habe ausdrücklich abgelehnt, in Immobilien zu investieren. Doch das für einen Hauskredit angesparte Geld ist weg. Der Geschäftsmann lebt heute von Hartz IV, die Frau bleibt auf ihren Schulden sitzen.
Millionen-Geschäft scheitert
Der Betrug hat eine Vorgeschichte, die in der Verhandlung ausgebreitet wurde. Der Finanzberater war bereits 2005 in die Schlagzeilen geraten, als er mit einem ehemaligen Hausmeister aus Reichenbach das Netzschkauer Schloss kaufen wollte. Beide firmierten als Telewatt.com Vermögensverwaltungs AG und hatten dem Stadtrat einen Projektantrag vorgelegt. Das Geschäft platzte. Vor Gericht sprach der Angeklagte vom Plan, das Schloss für 1,5 Millionen Euro zu kaufen und an einen Investor für sechs Millionen Euro weiter zu veräußern. Der Gewinn sollte auch zur Rückzahlung an die Falkensteinerin dienen. Allerdings hatte der Angeklagte die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Der Verkauf kam nie zustande. Ein als Zwischenvermittler fungierender Geschäftsmann südeuropäischer Herkunft erklärte im Zeugenstand, ein Amerikaner habe Interesse gezeigt, wollte aber ihm als Vermittler das Risiko aufbürden. Das habe er abgelehnt - das Aus für das Schlossprojekt. Der Richter sprach von einem "geplatzten Traum", der nie realisierbar war. Nach dem Scheitern des "großen Projektes" habe der Angeklagte das Schloss ohne Aktiengesellschaft erwerben wollen. Dafür habe er das Geld gebraucht, das er zumindest teilweise belegbar an den Zwischenhändler übergeben habe. Nach Vorlage der Überweisungen erinnerte sich dieser, Geld erhalten zu haben. Das habe er allerdings der Telewatt zugeordnet, durch die er im Rahmen eines Projektes in der Dominikanischen Republik verschuldet war. Im Gegenzug wollte er auf seine Forderungen an die Telewatt verzichten.
"Grenzenlose Gemeinheit"
Beim Verlesen eines Auszuges aus dem Bundeszentralregister wurde deutlich, dass die Falkensteinerin nicht die einzige Geprellte ist. Der Richter verlas einen Strafbefehl des Amtsgerichtes Plauen über 135 Tagessätze á 17 Euro wegen Betruges vom März 2010. Der Finanzberater soll von einer Familie größere Summen übernommen haben, ohne die Verträge einzuhalten. Einmal habe die Übergabe auf einem Parkplatz nahe Weischlitz stattgefunden. In seinem Urteil folgte das Schöffengericht dem Antrag des Staatsanwaltes. Richter Fischer: "Was Sie gemacht haben, war gegenüber der Frau eine grenzenlose Gemeinheit." Netzschkaus Bürgermeister Werner Müller musste als Zeuge einräumen, dass der Stadtrat dem Kaufvertrag nicht zugestimmt hatte und der Verkauf damit geplatzt war. Er schwärmte aber noch immer vom Projekt Schlosshotel. Der Richter brachte Müller mit seinen Fragen in Erklärungsnöte: "Im März 2006 war das Projekt gescheitert. Warum geben Sie dem Angeklagten 2007 noch ein Empfehlungsschreiben?" Antwort des Bürgermeisters: "Wenn er das Geld aufgetrieben hätte..." Eine Schöffin hakte nach: "Sind Sie 2007 bei dem Empfehlungsschreiben davon ausgegangen, dass das Projekt gestorben war?" Darauf Müller: "Ja."
Kommentar - Von Ulrich Riedel
Was soll das? Stadtchef übergeht Stadtrat Netzschkau ist mit einem blauen Auge davongekommen.
Die im Jahr 2005 vorgetragenen windigen Schlosshotel-Pläne sind dank einer kritischen Öffentlichkeit nicht aufgegangen. Das Schloss befindet sich weiter in Besitz der Stadt, der eine drohende Investruine erspart geblieben ist. Doch da gibt's noch ein paar Fragen: Was hat Bürgermeister Werner Müller vor fünf Jahren dazu getrieben, dubiose Investoren mit offenen Armen zu empfangen und Fragesteller als Meckerer anzuprangern? Und wieso hat Müller mit den "Investoren" noch 2007 verhandelt und sogar ein Empfehlungsschreiben ausgestellt? Er hat damit gegen einen gültigen Stadtratsbeschluss verstoßen. Das muss der Bürgermeister den Bürgern erklären.
Zitate
"Mein Mandant ist relativ naiv und gutgläubig an die Sache herangegangen und war zum damaligen Zeitpunkt total überfordert. Er ist selber von einigen Beteiligten ausgenutzt worden."
Ilja Bartzsch, Strafverteidiger
"Das Schloss-Projekt war selbst für eine Bank zu gewagt. Der Angeklagte hat offensichtlich versucht, das allein zu schultern, obwohl er nicht in der Lage dazu war."
Gemot Güßregen, Staatsanwalt
"Sie wissen selbst nicht, was Ihre dubiose Aktiengesellschaft so richtig gemacht hat. Sie waren Vorstand, Alleininhaber, Berater und alles Mögliche und haben keine Ahnung, was das bedeutet. Es ging immer um Vermarktungskonzepte, die nichtfunktioniert haben."
Bernd Fischer, Richter, zum Angeklagten
"1,5 Millionen waren eine Wahnsinnssumme. Ich fand es schon eigenartig, dass jemand so viel für das Schloss bietet"
Werner Müller, Bürgermeister, im Zeugenstand
Chronik
10. August 2005: Der Notarvertrag Nr. 730/2005 zum Verkauf von Schloss und Ratskeller durch die Stadt Netzschkau an die Tele-watt.com AG wird beurkundet.
23. August: Erst 13 Tage später verfasst die Telewatt.com ihr Angebot an Netzschkau; ein Teil der Stadträte wird erstmals in nichtöffentlicher Sitzung informiert.
24. August: Erste Information an die Presse durch die Kaufinteressenten, tags darauf erscheint der erste Beitrag zu den Plänen.
26. August: Übergabe des Konzeptes der Telewatt.com durch den Bürgermeister an den Vorstand des Fördervereins.
9. September: Der Förderverein misstraut dem Projekt und startet eine Unterschriftenaktion gegen den Verkauf, in kurzer Zeit unter- zeichnen mehr als 1200 Bürger.
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11. Oktober: Dem Antrag des da maligen Stadtrates Wolfgang Netzsch (seinerzeit PDS), alle Verhandlungen zum Schlossverkauf in der laufenden Legislaturperiode (bis 2009) zu stoppen, wird von den Stadträten zugestimmt.
18. August 2010: In der Gerichtsverhandlung gegen einen der Telewatt.com-Vorstände wird bekannt, dass Bürgermeister Werner Müllertrotz Stadtratsbeschluss im Jahr 2007 noch Empfehlungsschreiben ausgestellt hat, die der Angeklagte als Referenz für seine privaten Geldanleger verwendet hat. Müller verhandelte auch nach dem Stadtratsbeschluss weiter mit dem Angeklagten über den Schlossverkauf, mindestens bis Ende 2007, vermutlich bis zum Frühjahr 2008. (pstp) |
Freie Presse 20.08.2010
Paar wegen Betrugs zu Haftstrafen verurteilt
Auch beim geplanten Schlossverkauf hatte Duo mitgemischt
Plauen/Netzschkau. Das Amtsgericht Flauen hat ein Betrügerpaar zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Duo hat allerdings bereits Berufung eingelegt. Der gebürtige Oelsnitzer sowie seine aus der Reichenbacher Region stammende Lebensgefährtin waren des gewerbsmäigen Betrugs in vier Fällen angeklagt.
Das Paar hatte überwiegend aus Russland stammende Anleger um insgesamt 50.000 Euro geprellt, vermutlich ohne ausreichend über die Möglichkeit des totalen Geldverlustes aufzuklären. Die Opfer hatten für die Geldanlage größtenteils Kredite aufgenommen und stehen nun vor einem Schuldenberg. Die Frau soll mit einem fürstlichen Geschäftsführergehalt der von beiden gegründeten Aktiengesellschaft Vencap AG außerdem Geld entzogen und auf ein Privatkonto abgezweigt haben. Dabei soll sie auch das Stammkapital angegriffen haben. Unter Einbeziehung einer Vorstrafe wegen Steuer hinterziehung soll der 57-Jährige für vier Jahre hinter Gitter und außerdem 20.000 Euro Geldstrafe zahlen. Gegen seine Lebensgefährtin verhängte das Schöffengericht zwei Jahre und vier Monate Haft.
Das Paar ist auch in der Reichenbacher Region bekannt. 2001 traten beide als Vertreter der Firma Telewatt.com auf, die beim Turn- und Sportverein Netzschkau Hauptsponsor werden sollte. Die Zusammenarbeit endete, weil es seitens des Unternehmens Forderungen zum Vertrieb von Herbalife-Produkten gab. Dies ist ein wegen seiner Produkte und vor allem wegen seiner Vertriebsmethoden umstrittener Strukturvertrieb.
Telewatt.com tauchte 2005 mit geändertem Vorstand erneut in Netzschkau auf, wollte das Schloss kaufen sowie ein Fünf-Steme-Hotel errichten. Die Telewatt.com und die Geschäftsführung der Vencap firmierten zeitweise unter derselben Plauener Anschrift.
Freie Presse 20.05.2008
Netzschkau legt
Pläne für Schloss-Verkauf auf Eis
Stadträte beugen sich dem Druck von 1200 Unterschriften
Netzschkau. Netzschkau zieht die Notbremse. Die nordvogtländische
Kleinstadt beugte sich den Protesten vieler Bürger und den Befürchtungen
vieler Kritiker und vertagte in einer gemeinsamen Sitzung zweier Stadtrats-Ausschüsse
am Dienstagabend das Thema Schloss-Verkauf. Frühestens nach der
nächsten Kommunalwahl soll ein neuer Anlauf möglich sein.
In einer mehrheitlich getragenen Erklärung verabschiedet sich
der Stadtrat widerwillig von der erhofften Zwei-Millionen-Euro-Einnahme
und den Plänen für einen zehn Millionen Euro teuren Hotel-Neubau.
Nicht ohne die Kritiker scharf zu attackieren. Leute aus dem Schloss-Förderverein
und "verschiedene Personen" hätten die Öffentlichkeit
"gezielt manipuliert". Das habe für die Stadträte
"großen psychischen Druck" zur Folge gehabt.
Erfolgreich war der Förderverein tatsächlich, der 1200 Unterschriften
sammelte und vor Ungereimtheiten warnte. Der partout im Hintergrund
bleiben wollende Investor etwa blieb bis zuletzt in der Deckung und
ist, wie die Stadträte einräumen müssen, auch den Entscheidern
nicht bekannt. Die als Vermittler fungierende Telewatt.com AG mit
Sitz in Frankfurt/Main entpuppte sich als Firma mit Briefkasten am
Plauener Stadtrand und dem ehemaligen Hausmeister einer Reichenbacher
Schule als Vorstandschef. Andreas Bechmann, Vizechef des Schloss-Fördervereins,
nennt daher den Rückzieher der Stadt "vernünftig".
Freie Presse 13.10.2005
Netzschkau
stoppt Pläne für Schloss-Verkauf
Ausschüsse Folgen PDS-Antrag und vertagen Thema in die nächste
Legislaturperiode - Vorwürfe zuhauf
Netzschkau. Der Verkauf des Netzschkauer Schlosses ist zumindest in
dieser Legislaturperiode vom Tisch. Diesem Antrag von Stadtrat Wolfgang
Netzsch (PDS) stimmten die Mitglieder des Technischen und des Verwaltungsausschusses
in ihrer Sitzung am Dienstagabend quer durch die Fraktionen mehrheitlich
zu.
Netzsch sieht Manipulation
In der Begründung warf der PDS-Stadtrat "verschiedenen Personen"
vor, "unvollständige, tendenziöse und fehlerhalte Information
der Öffentlichkeit" betrieben zu haben. Die öffentliche
Meinung sei "gezielt manipuliert" worden, heißt es
in dem PDS-Schreiben. "Die reduzierte Betrachtung des Themas
und die damit verbundene Unterschriftensammlung" hätten,
zu einem "großen psychischen Druck auf die Stadträte"
geführt, so dass eine objektive Abstimmung in der derzeitigen
Situation nicht möglich sei, heißt es in der Begründung.
Einige Zeilen weiter hinten wurde die Unterschriftenaktion gegen den
Schloss-Verkauf hingegen als "Mittel der Basisdemokratie"
begrüßt.
Obwohl viele der Anwesenden nach der Entscheidung aufatmeten, blieb
der Jubel aus. Nach kurzer Sprachlosigkeit folgten heftige Debatten
mit einzelnen Stadträten auf dem Flur. "Es ist keine Art,
wie im Stadtrat mit den Bürgern umgegangen wird. Wir wurden nicht
einmal begrüßt. Und bei derart massiver Kritik zu einem
Thema muss man über die Ursache nachdenken. Ich hatte das Gefühl,
alle sind aufeinander eingeschworen, um dem Volk Einheit zu demonstrieren",
erklärte die Netzschkauerin Dorothea Müller nach der Sitzung.
Sie begrüßte ausdrücklich die Berichterstattung in
der Presse, da sonst in
Netzschkau wenig zu erfahren gewesen sei.
Bürger fühlen sich übergangen
Vor allem ältere Bewohner der Stadt und die Mitglieder des Fördervereins
äußerten die Meinung, dass ihre Bedenken nicht ernst genommen
und als bloße Kampagenen abgetan wurden. Der stellvertretende
Vorsitzende des Schlossfördervereins, Andreas Bechmann, bezeichnet
die Entscheidung des Stadtrates als "vernünftig". Für
ihn war es verwunderlich, dass nicht alle Fraktionen zu dem Antrag
sprechen durften. Die Geschäftsordnung lässt nur zwei Wortmeldungen
zu.
"Was Stadtrat Netzsch vorgetragen hat, entspricht in einigen
Passagen nicht der Wahrheit", erklärte er. Beispielsweise
habe es keinen Stadt-ratsbeschluss für den Kaufvertrags-Entwurf
gegeben. Und die Fördervereinsmitglieder hätten ihre Mitarbeit
lediglich für den Zusatzvertrag verweigert, der die öffentliche
Nutzung regeln sollte. Stadtrat Ludwig Münzner (CDU) nannte diesen
Vertrag im Gespräch nach der Sitzung genauso wie das vorgelegte
Konzept "wertloses Papier".
Scheibchen fordert Sachlichkeit
Stadtrat Holm Scheibchen (SPD) rief gestern auf, schnellstens wieder
Sacharbeit in den Vordergrund zu rücken und im Stadtrat vernünftig
und respektvoll miteinander umzugehen. Wie auch weitere Stadträte
bedauert er, dass die in dem Angebot steckenden Chancen für Netzschkau,
mit dem Schloss-Verkauf Geld in die Kasse zu bekommen und mit den
geplanten Hotels Touristen anzulocken, nicht ausgelotet werden konnten.
Allerdings räumte er auch ein, keine Informationen über
die anonymen Investoren zu haben.
KOMMENTAR von Urlrich Riedel:
Zurück zur Sachlichkeit - Nach dem Streit ums Schloss
Haben böswillige Übeltäter die Öffentlichkeit
manipuliert? Wollten diese Leute Netzschkau um die Chance bringen,
mit dem Schloss-Verkauf Geld einzunehmen und einen Tourismus-Aufschwung
hinzulegen? Nimmt man die von PDS-Stadtrat Wolfgang Netzsch vorgelegte
und offenbar von der Mehrheit getragene erstaunliche Erklärung,
dann soll es genau so gewesen sein.
Über die tatsächlichen Gründe, warum der Stadtrat kalte
Füße bekam und den Verkauf stoppte, darf spekuliert werden.
Wir bleiben bei den Fakten: Die Investoren sind bis heute unbekannt,
was nicht nur die Kommunalaufsicht als sehr problematisch wertet.
Die als Vermittler aufgetretene Telewatt-com AG legte ein oberflächliches
Konzept mit nicht errechneten, sondern Pi mal Daumen geschätzten
Zahlen vor. Zudem glänzte die Frankfurter Aktiengesellschaft
mit einem Briefkasten in Flauen und Personal, das so gar nicht zu
einem seriösen Investor passen mag. Die Geheimniskrämerei
im Netzschkauer Rathaus obendrauf, war der Widerstand logische Folge
- und kam in Form von 1200 Unterschriften.
Wie die PDS zu dem abstrusen Manipulations-Vorwurf kommt, wer weiß.
Tatsache ist, dass weder PDS, noch CDU das Gespräch mit der Öffentlichkeit,
mit dem Wahlvolk gesucht haben. Viel Porzellan wurde zerschlagen.
Die von SPD-Stadtrat Holm Scheibchen geforderte Rückkehr zu Sachlichkeit
ist nun ein Gebot der Vernunft. In Netzschkau gibt es ganz gewiss
genug zu tun.
Freie Presse 13.10.2005
Gewerbeverein spricht sich gegen Schlossverkauf aus
Morgen Abend findet im Rathaus eine öffentliche Sitzung des
Verwaltungs- und des Technischen Ausschusses statt
Netzschkau "Was zur Stadtratssitzung am 27.
September gelaufen ist, war einfach der Hohn", urteilte der Gewerbevereinsvorsitzende
und Stadtrat Mike Purfürst bei der öffentlichen Vorstandssitzung
des Netzschkauer Gewerbevereins am Freitagabend im Bürgerstübel.
Auf die Frage, warum keiner der Stadträte etwas gegen die Absetzung
des Tagesordnungspunktes zum möglichen verkauf des Schloss und
Ratskellers getan hat, antwortete er: "Ich war zu der nichtöffentlichen
Sitzung am Vorabend nicht da und wusste nicht, was gelaufen ist."
Stadtrat Heinz Knüpfer ergänzte: "Wir wurden vergattert,
dass nichts an die Öffentlichkeit dringt."
Für den Gewerbevereinschef steht mittlerweile fest, dass es gar
nicht um das Schloss geht, sondern hauptsächlich um den Ratskeller.
"Warum sprechen wir nicht erst darüber, ob wir das Schloss
überhaupt verkaufen wollen, bevor Verträge gemacht werden?",
will er wissen. Dass unter diesen Umständen kein Kulturgut verkauft
werde, sei das Fazit von Gesprächen mit den drei weiteren Stadträten
des Vereins. Überhaupt gebe es im Stadtrat seltsame Verfahrensweisen.
Beispielsweise hatte er in der letzten Sitzung drei Anträge gestellt,
über die nicht abgestimmt wurde. Dabei ging es um die Wohnungsbau-
und Entwicklungsgesellschaft sowie deren Aufsichtsrat und Geschäftsführer.
Purfürst verurteilte vor Gewerbevereinsmitgliedern und Gästen
"das arrogante Verhalten" von Bürgermeister Werner
Müller (SPD) gegenüber den Besuchern der Stadtratssitzung.
Nachdem der öffentliche Teil zu Ende war, erklärte das Stadtoberhaupt
den Stadträten, dass sie sich von dieser Kampagne (gemeint war
die Anwesenheit von mehr als 20 Bürgern zur Stadtratssitzung)
nicht beeindrucken lassen sollen.
Morgen um 19.30 Uhr findet im Netzschkauer Rathaus eine gemeinsame
öffentliche Sitzung des Verwaltungsausschusses und des Technischen
Ausschusses statt. Auf der Tagesordnung steht der Vertrag über
die öffentliche Nutzung der Schlossräume als Ergänzung
zum Kaufvertrag. Purfürst forderte alle Anwesenden auf, an den
Sitzungen des Rates und der Ausschüsse teilzunehmen.
Die Mitglieder des Schloss-Fördervereins hatten sich in einer
Mitgliederversammlung bereits in der vergangenen Woche mit dem Thema
beschäftigt und die Mitarbeit in diesem Fall verweigert. "Der
vorliegende Entwurf bildet keine Grundlage für eine rechtlich
definierte sowie auch entsprechend durchsetzbare öffentliche
Nutzung des Schlosses nach einem Verkauf. Da wir gegen den Verkauf
des Schlosses und für einen Verbleib dessen im kommunalen Eigentum
sind, sehen wir keine Veranlassung, diesen Entwurf eines Ergänzungsvertrages
mit zu gestalten", teilte der verein im Schreiben an den Bürgermeister
mit. Der Förderverein lehnt diesen Vertragsvorgang zwischen Stadtverwaltung
und einem unbekannten Investor ab und sammelt weiter Unterschriften
gegen den geplanten Schlossverkauf.
Freie Presse 10.10.2005
Hoffentlich siegt
das Gute in Netzschkau
Das Thema Schlossverkauf in Netzschkau bewegt viele Vogtländer.
Als gebürtige Lengenfelderin bin ich auch durch
meine Großeltern, Eltern und viele Verwandte mit Netzschkau
verbunden. Oft weilte ich als Kind in der Schlossstadt, genoss das
schöne Stadtbad, nahm an Kinderfesten teil und wanderte in der
herrlichen Umgebung der Stadt mit Kuhberg und Göltzschtalbrücke.
Das versteckte Schloss im Park weckte meine kindliche Fantasie. Warum
muss ein Schloss so verfallen? Wo sind die Prinzen und Prinzessinnen?
Wie froh und dankbar bin ich jetzt als Rentnerin, dass das Schloss
durch die Initiative fleißiger und mit viel Idealismus geprägter
Menschen zu einem Schmuckstück und kulturellen Mittelpunkt für
Netzschkau und Umgebung wurde. Es wäre schlimm, würde es
nun an "Irgendeinen" verkauft und zum Hotel umstrukturiert.
Dass die Kommunen knapp bei Kasse sind, weiß jeder. Aber Geld
beschaffen ohne Rücksicht auf das kulturelle Erbe der Stadt wäre
ein Schlag für den Schlossförderverein. Hoffentlich siegt
das Gute.
Freie Presse 8.10.2005 (Leserbrief
von Käte Beyer )
WE-Chef weist
Einfluss auf Verkaufspläne zurück
Röhn: "Eine saubere Geschichte"
- Förderverein: 1000 Unterschriften
Netzschkau. Uwe Röhn, Geschäftsführer
der Netzschkauer Wohnungsbau- und Entwicklungsgesellschaft mbH (WE),
weist jede Ein-flussnahme auf den geplanten Verkauf von Schloss und
Ratskeller weit von sich. Der Ende voriger Woche von einem Auslandsaufenthalt
zurückgekehrte Chef der stadteigenen WE betont, er habe zwei
Tage vor dem Notartermin "vom angedachten Verkauf erfahren".
Zu diesem Zeitpunkt habe er auch erstmals von der Firma Telewatt.com
AG gehört, die als Vermittler zwischen der Stadt und den unerkannt
bleiben wollenden Investoren agiert. Telewatt.com war unter anderem
wegen ihres Führungspersonals in die Kritik geraten. Als Geschäftsführer
der WE habe er keinen Spielraum, sondern im Auftrag des Gesellschafters
(Bürgermeister Werner Müller) unterschreiben müssen.
Sein Handeln in Sachen Verkauf bezeichnet Röhn als "eine
absolut saubere Geschichte".
Unterdessen hat der Förderverein am Wochenende weiter Unterschriften
gegen den Schloss-Verkauf gesammelt. Inzwischen ist die Zahl auf gut
1000 gestiegen.
Freie Presse 4.10.2005 (Text: Ulrich
Riedel)
Bürgermeister
lädt Schloss-Verein ein
Netzschkau. Die Stadt Netzschkau nimmt Gespräche
mit dem Schloss-Förderverein zum Thema Schlossverkauf auf. In
einem Schreiben hat Bürgermeister Werner Müller (SPD) Vereinschef
Volker Steps für eine am 11. Oktober geplante Sitzung ins Rathaus
eingeladen. Zudem bittet Müller um "konstruktive Vorschläge"
bis 5. Oktober, um diese in den Vertrag zur öffentlichen Nutzung
des Schlosses einarbeiten zu können. Müller bot Steps zudem
ein Gespräch an.
Der Förderverein bleibt dennoch bei seiner Ablehnung eines Schlossverkaufes
und hat inzwischen 725 Unterschriften gegen Müllers Verkaufspläne
gesammelt. Im Verein, aber auch in Teilen des Stadtrates, bestehen
weiterhin große Zweifel bezüglich des Investors. Auch die
Kommunalaufsicht bemängelt, dass der Investor unter keinen Umständen
genannt werden will.
Freie Presse 1./2.10.2005 (Text:
Ulrich Riedel)
Brisantes
Schloss-Thema vertagt
BÜRGERMEISTER MÜLLER: ES GIBT NEUE INTERESSANTE HINWEISE
NETZSCHKAU - "Lasst euch von dieser Kampagne
nicht beeindrucken. Wir haben bis jetzt alles richtig gemacht",
beruhigte Netzschkaus Bürgermeister Werner Müller (SPD)
am Dienstagabend in nichtöffentlicher Sitzung seine Stadträte.
Laut und vernehmlich, so dass man es auch vor der verschlossenen Tür
gut verstehen konnte, verteidigte er das Vorgehen der Verwaltung und
des Rates in Sachen Schloss-Verkauf. Anschließend wurde der
Vorschlag erörtert, den "Vertrag zur öffentlichen Nutzung
der Räume des Schlosses Netzschkau" sachlich und ausführlich
mit dem Schlossförderverein zu diskutieren. Möglicherweise
gebe es im Verein "einige Personen, die intrigieren", während
sich andere eventuell Argumenten nicht verschließen würden.
Zuvor hatte der Bürgermeister in öffentlicher Sitzung das
Thema Schloss gänzlich von der Tagesordnung zurückgezogen.
Müller: "Wir haben zur nichtöffentlichen Stadtratssitzung
am Montag viele interessante Hinweise zu diesem Thema erhalten."
Diese sollen in den nächsten Tagen noch einmal eine ausführliche
Behandlung erfahren.
Die Zuschauerreihen waren am Dienstag bis auf den letzten Platz besetzt.
Viele waren wegen des brisanten Themas Schlossverkauf gekommen. An
sie gewandt sagte Müller: "Am 11. Oktober wird in einer
öffentlichen Ratssitzung über diesen vorliegenden Vertrag
beraten und beschlossen."
Vorm Rathaus diskutierten die Bürger nach Sitzungsende sehr bewegt
über das Thema. Von Fassungslosigkeit und Erschütterung
bis zu sachlicher Skepsis gegenüber den ungenannt bleiben wollenden
Investoren reichten die Reaktionen.
Am Ende der Sitzung hatte Stadtrat Mike Purfürst (Gewerbeverein)
drei Anträge eingebracht. Erstens solle der alte Aufsichtsrat
der Netzschkauer Wohnungsbau- und Entwicklungsgesellschaft mbH ordnungsgemäß
entlastet, zweitens die Neuwahl des Aufsichtsrates durchgerührt
werden. Drittens verlangte Purfürst die Offenlegung aller Geschäftsbeteiligungen
von Geschäftsführer Uwe Röhn. Zu den ersten beiden
Punkten signalisierte Müller Einverständnis. Allerdings
wären für die Neuwahl weitere Vorschläge erforderlich,
bislang sei ihm erst einer bekannt. Zum dritten Antrag wollte sich
der Bürgermeister erst in nichtöffentlicher Sitzung äußern.
Vogtland Anzeiger 29.09.2005 (Text:
Sven Gerbeth)
Tauziehen um Schloss-Verkauf
geht weiter
Kommunalaufsicht prüft nur formal - Inhalt ist Sache der Stadträte
- Müller sichert Öffentlichkeit zu
Netzschkau. Die Entscheidung in Netzschkau, ob und
unter welchen Umständen die Stadt das Schloss verkaufen wird,
liegt in den Händen der Stadträte. Das bekräftigte
gestern auf Anfrage Cornelia Panzert, Leiterin der Kommunalaufsicht
im Landratsamt. Sache der Aufsichtsbehörde ist laut deren Leiterin
allein "die Überprüfung der Rechtmäßigkeit
des Rechtsgeschäfts". Sie habe zwar auch ihre Meinung zum
beabsichtigten Verkauf, sagte Cornelia Panzert, "doch über
die Zweckmäßigkeit dürfen wir nicht urteilen".
Erst wenn Beschlussfassungen vorliegen, werde die Behörde aktiv.
Eine Beschlussvorlage mit zwei Vertragsentwürfen zum Schloss-Verkauf
und zur Nutzung hatte Bürgermeister Werner Müller (SPD)
am Dienstagabend kurzerhand von der Tagesordnung genommen. Weil es
"hochinteressante Hinweise" gebe und er die Sorgen der Verkaufsgegner
(mehr als 500 haben das per Unterschrift bekundet) ernst nehme.
Aus einem der "Freien Presse" vorliegenden Schreiben der
Kommunalaufsicht an einen Beschwerde führenden Netzschkauer geht
eindeutig hervor, dass die Kommunalaufsicht im Falle des geplanten
Schlossverkaufs Einfluss genommen und die Absetzung des Themas von
der Tagesordnung nahegelegt hatte. Bürgermeister Müller
habe daraufhin erklärt, "in 14 Tagen über den Kaufvertrag
öffentlich zu beraten und zu entscheiden".
Das wäre aus Sicht des Schloss-Fördervereins der Durchbruch
hin zur öffentlichen Debatte. Bislang lag der Öffentlichkeit
nur ein Zusatzvertrag zur Nutzung vor.
Freie Presse 29.09.2005 (Text: Ulrich
Riedel)
Aufsichtsbehörde
rüffelt Netzschkau
Bürgermeister muss Thema Schloss-Verkauf vertagen
Netzschkau. Der Netzschkauer Stadtrat hat das brisante
Thema Schloss-Verkauf gestern Abend kurzfristig von der Tagesordnung
genommen. Bürgermeister Werner Müller (SPD) begründete
dies damit, die Stadt habe "hochinteressante Hinweise" zu
den zur Abstimmung stehenden Verträgen erhalten und wolle die
"Probleme und Sorgen der Bürger" ernst nehmen. Daher
sollen am n. Oktober in einer öffentlichen Stadtratssitzung Ergänzungen
und Änderungen im Nutzungsvertrag beraten und beschlossen werden.
Was Müller gestern im voll besetzten Ratssaal nicht erwähnte:
Das Landratsamt des Vogtlandkreises beäugt argwöhnisch das
Geschehen in Netzschkau und hat den Bürgermeister bereits gerüffelt.
Die Kommunalaufsicht widerspricht dem Bürgermeister gleich in
doppelter Hinsicht.
Während Müller am Montag auf Anfrage der "Freien Presse"
behauptet hatte, er selbst übe die Funktion des Aufsichtsrates
der am Verkauf beteiligten stadteigenen Wohnungsbau- und Entwicklungsgesellschaft
mbH aus, heißt es aus der Kreisbehörde: "Der Aufsichtsrat
ist nach dem Gesellschaftervertrag vorgesehen und muss nach jeder
Kommunalwahl des Stadtrates neu gewählt werden." Müller
hatte in einer turbulenten Stadtratssitzung versucht, das Gremium
abzuschaffen, doch der Stadtrat gab dem Druck nicht nach. Konsequenz:
Müller muss die Wahl zweier Stadträte für den Aufsichtsrat
auf die Tagesordnung setzen, doch. das hat er seit Sommer letzten
Jahres versäumt, erklärt die Kommunalaulsicht und fügt
hinzu: "Der Bürgermeister wurde aufgefordert, die Besetzung
umgehend nachzuholen."
Zweiter Kritikpunkt: Der Entwurf eines Notarvertrages zum Verkauf
des Schlosses liege vor, eine abschließende Bewertung sei der
Kreisbehörde indes noch nicht möglich. Man führe Gespräche
mit dem Bürgermeister und prüfe die Vorgänge. "Der
Rechtsaufsicht liegen weder Beschlüsse, noch Wertermittlungen
vor", heißt es. Und weiter: "Ebenso ist zu hinterfragen,
warum der Investor unter keinen Umständen genannt werden möchte
und der Vertrag keine Regelung zur weiteren Nutzung des Objektes nach
Investitionen enthält."
Freie Presse 28.09.2005 (Text: Ulrich
Riedel)
Der Herr Aufsichtsrat
und sein Geschäftsführer
Verkauf von Schloss Netzschkau: Bürgermeister Müller
rudert zurück -
WE-Chef Röhn und sein Engagament für unbekannte Investoren
Netzschkau. Netzschkaus Bürgermeister Werner
Müller rudert zurück und plädiert gegen einen übereilten
Verkauf des Schlosses. "Es wird keine leichte Entscheidung",
sagte Müller, der die Pläne bislang vehement vorangetrieben
hatte, gestern zur "Freien Presse". ... Auch Telewatt.com-Vorstand
Wolfgang Zschorsch, früher Hausmeister einer Reichenbacher Schule,
sitze nicht mehr am Verhandlungstisch.
Grundsätzlich hofft der Bürgermeister weiter auf einen Verkauf
und die versprochene Millionen-Investition in das Schlosshotel sowie
in das Stadthotel im bisherigen Ratskeller Gebäude - und das,
obwohl sich die Investoren noch immer bedeckt halten. Heute Abend
wird sich der Stadtrat in einer mit Spannung erwarteten Sitzung mit
einem Kaufvertrag befassen. Seitens der Stadt ist der Bürgermeister
Vertragspartner, seitens des Ratskellers Uwe Röhn, Geschäftsführer
der stadteigenen Wohnungsbau- und Entwicklungsgesellschaft mbH (WE).
Während in Netzschkau einige Stadträte beklagen, dass die
WE zurzeit keinen Aufsichtsrat hat und Röhn ohne Kontrolle agiert,
wies Müller das zurück. "Ich bin Aufsichtsrat",
sagte er knapp, ohne zu er klären, wann der Stadtrat die zwei
fehlenden Aufsichtsräte benennt. "Herr Röhn ist nicht
das Problem", betonte Müller, "er leistet in der GmbH
gute Arbeit."
Doch seit WE-Geschäftsführer Röhn den Ratskeller per
Ausschreibung durch die Zeitsprung GmbH betreiben lässt, halten
sich in Netzschkau Zweifel. Hat er den Auftrag an eine Firma vergeben,
an der er privat Anteile hält?
Tatsächlich: Er hält an jener Zeitsprung GmbH Anteile. Röhn
war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Bürgermeister
Müller verteidigte ihn und hält diese Konstellation für
korrekt. Andere Geschäftsführer kommunaler Firmen sehen
derlei Handeln indes als problematisch an. Röhns Engagement für
einen "unbekannten" Investor hatte sich in einem spektakulären
Fall vor sechs Jahren als großer und für die öffentliche
Hand teurer Flop erwiesen. Rückblende: Als der Kreistag des Vogtlandkreises
am n. November 1999 in nichtöffentlicher Sitzung über den
Verkauf des ehemaligen Kreiskrankenhauses Oelsnitz zu befinden hatte,
legte sich neben DSU-Kreisrat Ulrich Lupart auch Uwe Röhn gewaltig
für den Gummersbacher Unternehmer Richard Kurig und die Firma
SCU-Servicecenter für Unternehmer GmbH ins Zeug. Röhn agierte
sogar als Kurigs Beauftragter und war mehrere Monate lang Geschäftsführer
der Firma. Mit dem Argument unter Druck gesetzt, Kurig schaffe Arbeitsplätze,
stimmten die Volksvertreter knapp für dessen Konzept. Kurig zahlte
die symbolische Mark, und der Vogtlandkreis verzichtete auf die von
einem Mitbewerber gebotenen 800.000 Mark.
Doch schon bald musste Kurigs SCU-Servicecenter für Unternehmer
GmbH Insolvenz anmelden. Durch Recherchen der "Freien Presse"
kam zudem ans Licht, dass eine andere Firma Kurigs dem Kreis Annaberg-Buchholz
1400 Tonnen teils hochgiftigen Sondermüll hinterlassen hatte.
Röhn erklärte später, davon habe er nichts gewusst.

Wer kontrolliert die Netzschkauer Wohnungsbau- und
Entwicklungsgesellschaft? "Ich bin der Aufsichtsrat",
sagt Bürgermeister Werner Müller (links), zurzeit alleiniger
Kontrolleur von Geschäftsführer Uwe Röhn
Freie Presse 27.09.2005 (Text: Ulrich
Riedel; Bild: Franko Martin)
Widerstand gegen
Schloss-Verkauf in Netzschkau wächst
Förderverein sammelt mehr als 500 Unterschriften -
Stadträte fordern Transparenz - Die Spur der Investoren
führt ins Zwielicht
Netzschkau. Wenige Tage vor der möglicherweise
über die Zukunft des Netzschkauer Schlosses entscheidenden Stadtratssitzung
rüsten die Verkaufsgegner auf. Der Förderverein Schloss
Netzschkau sammelte allein gestern auf dem Markt 180 Unterschriften
und will nun, mit dem Votum von mehr als 500 Bürgern im Rücken,
die Stadträte über zeugen, ein nach seiner Ansicht riskantes
Kaufangebot abzulehnen.
Die Stadträte tagen bereits am Montagabend hinter verschlossenen
Türen, ehe am Dienstag öffentlich über den "Grundstückskaufvertrag
Urkunden-Nr. 730/2005" entschieden wird. Doch Bürgermeister
Werner Müller (SPD) wiegelt ab. Obwohl "Grundstückskaufvertrag"
drauf-steht, soll damit noch gar kein Verkauf vollzogen werden, erklärte
Müller am Mittwoch auf Anfrage der "Freien Presse".
Es handele sich lediglich um einen Zusatzvertrag mit dem künftigen
Betreiber.
Doch in Netzschkau wachsen Zweifel, ob der Bürgermeister mit
offenen Karten spielt. Während auf den Bekanntmachungen üblicherweise
bei jedem Verkauf der Gegenstand genannt ist, fehlten ausgerechnet
diesmal und ausgerechnet beim wohl umstrittensten Verkauf seit Jahren
die Angaben "Ratskeller/ Schloss". Müller räumte
den "Fehler" ein und reichte inzwischen die komplette Bekanntmachung
nach.
Offen gegen den Verkauf plädiert Stadtrat Mike Purfürst
vom Gewerbeverein. "Wer ordentlich und seriös investieren
will, gibt sich zu erkennen", sagt der Fraktionschef. SPD-Stadtrat
Holm Scheibchen verlangt ein "durchschaubares, tragfähiges
Konzept". Doch das könne er noch nicht erkennen.
Genau das ist der Dreh- und Angelpunkt. Das von der Telewatt.com AG
vorgelegte Konzept ist oberflächlich, enthält eine Reihe
von Fehlern und auffällig runde, also nicht errechnete Zahlen
(500.000 Euro, eine und zehn Millionen Euro) sowie jede Menge dehnbare
Aussagen.
Die Telewatt.com AG ist in Frankfurt am Main eingetragen. Von Geschäften
der Firma, die das Millionengeschäft in Netzschkau einfädeln
will, ist dort aber fast nichts bekannt. Postadresse ist ein Briefkasten
in Flauen, Meßbacher Straße.
Der als Vorstand eingetragene Wolfgang Zschorsch war offenbar früher
Hausmeister einer Reichenbacher Schule.
KOMMENTAR von Ulrich Riedel:
Eines vorweg: Zieht eine Stadt den Verkauf einer ihrer bedeutendsten
Immobilien in Betracht, so ist das völlig legitim. Die Überlegungen
in Netzschkau, das Schloss zu veräußern, mögen umstritten
sein, aber sie sind auch völlig legitim.
Entscheidend sind zwei Kriterien: 1. Bringt der Verkauf Stadt und
Bürgern Vorteile? 2. Sind die Investoren glaubwürdig und
seriös. Unter Vorteil (1.) sollte man mehr verstehen, als eine
Finanzspritze, sondern neue Arbeitsplätze, mehr Attraktivität
für die Stadt und die auch künftig klar geregelte Möglichkeit
der Netzschkauer, ihr Schloss nutzen zu dürfen. Und seriöse
Investoren (2.)? Man kennt die Herren nicht einmal. Lediglich ihre
Mittelsmänner tauchen auf, und die sind - mit Verlaub -schräg.
Unter diesen Umständen ist ein Ja zum Verkauf nicht zu verantworten.
Freie Presse 26.09.2005 (Text: Ulrich
Riedel)
"Keine
Eile beim Schlossverkauf?"
Netzschkau: Am Dienstag diskutieren die Stadträte über
einen Zusatzvertrag
Netzschkau. Für Verwirrung hat jetzt die offizielle
Einladung für die Stadtratssitzung am Dienstag, 19 Uhr in Netzschkau
gesorgt. Unter Punkt 7 war darin nachzulesen: "Beschlussvorlage
SR 27/2005 - Grundstückskaufvertrag Urkunden-Nr. 730/2005".
Erst auf Nachfrage bei Netzschkaus Bürgermeister Werner Müller
(SPD) erführ die "Freie Presse", dass es sich dabei
um das Schloss und den Ratskeller handelt. Müller: "Da ist
uns ein Fehler unterlaufen. Wir werden das sofort ergänzen."
Der Bürgermeister erklärte, dass der Beschluss, der am Dienstagabend
auf der Tagesordnung stehen wird, "nichts mit dem Verkauf des
Schlosses zu tun hat". Es geht lediglich um einen Zusatzvertrag
zwischen der Stadt und dem künftigen Betreiber, der beinhaltet,
"wie das Schloss auch nach dem Eigentümerwechsel weiterhin
öffentlich genutzt werden kann", erläutert der Stadtobere.
Laut Müller sollen jetzt die Stadträte in Ruhe über
alles diskutieren. Den Abgeordneten liegen die Notarverträge
vor. Für den Bürgermeister stellt das Angebot der Investoren
"eine Riesenchance für Netzschkau dar". Müller:
"Ich kann nicht verstehen, wie alles schlecht geredet wird."
Ein Risiko für die Stadt schließt er aus.
Unklar ist indes, warum das Rathaus plötzlich davon spricht,
dass es keine Eile beim Schlossverkauf gibt. Noch am 1. September
hatte Müller in einem "Freie-Presse"-Beitrag davon
gesprochen, dass die Investoren bis zum 30. September einen Beschluss
zu ihrem Angebot erwarten. Bis dahin solle auch die Verkaufssumme
von zwei Millionen Euro auf ein Sperrkonto eingezahlt werden.
Ungeachtet dessen präsentiert sich der Förderverein des
Schlosses morgen von 8.30 bis 12.30 Uhr auf dem Markt, um seine Arbeit
vorzustellen und Unterschriften gegen den drohenden Verkauf zu sammeln.
Freie Presse 22.09.2005 (Text: Christine
Forbrig)
"Antrag
auf Schlosskauf ein Zumutung"
Offener Brief: Netzschkau soll Wahrzeichen nicht aus der Hand geben
Netzschkau. Der Förderverein Schloss Netzschkau hat sich strikt
gegen den Verkauf des Wahrzeichens der Stadt ausgesprochen. In einem
offenen Brief bittet Vereinschef Volker Steps die Stadträte um
"gründliche Prüfung" der von der Firma Telewatt.com
vorgelegten Pläne anonymer Investoren, die angeblich das Schloss
erwerben und ein Luxus-Hotel bauen wollen.
Die Vereinsmitglieder sind nach Sichten der zugänglichen Informationen
zu dem Ergebnis gekommen, dass die von Telewatt.com vorgelegten Zahlen
und Fakten widersprüchlich seien. Ein tragfähiges Konzept
sei nicht erkennbar. Ferner fehlen nach Ansicht des Vereins jegliche
Referenzen dieser Firma. Volker Steps: "Wir empfinden es als
Zumutung, dass dem Stadtrat ein derartig fehlerhaftes Konzept in Inhalt,
Form sowie Rechtschreibung und Grammatik vorgelegt wurde."
Der Verein fordert daher, sämtliche Beratungen zum Schloss öffentlich
zu führen und den Netzschkauern ein Mitspracherecht einzuräumen.
In den Erhalt des Schlosses, das die Stadt zum Kriegsende erworben
hatte, seien seither viel Geld und noch mehr Arbeit geflossen.
Freie Presse 08.09.2005
(Text: Ulrich Riedel)
"Votum
gegen Schlossverkauf"
Netzschkau. Die Mitglieder des Fördervereins Schloss Netzschkau
haben sich gestern Abend mit dem Konzept des potenziellen Schloss-Käufers
beschäftigt und danach einmütig gegen den Verkauf des altehrwürdigen
Gemäuers ausgesprochen.
Der Vereinsvorstand stellte das Projekt vor, das
den Stadträten vom künftigen Käufer und Betreiber Telewatt.com
übergeben hatte. Bürgermeister Werner Müller (SPD)
hatte dem Verein das Dokument zur Verfügung gestellt, damit die
Mitglieder genauere Kenntnis von den Plänen erhalten. Überzeugt
hat es die ehrenamtlich für das Schloss engagierten Netzschkauer
allerdings nicht.
Der Verein steht einer Investition grundsätzlich zwar aufgeschlossen
gegenüber, doch nach Kenntnisnahme des Angebotes votierten alle
Anwesenden gegen einen Verkauf. Unser Schloss hat einen sehr
hohen Stellenwert im Rahmen der Landesdenkmalpflege. Es gilt sachsenweit,
in Thüringen und Bayern sowie darüber hinaus als einzigartiges
Denkmal mit wertvoller Innenarchitektur, von der Außenhülle
ganz abgesehen, erklärte Andreas Bechmann. Er half schon
im Schlossbauaktiv mit, die ursprüngliche Bausubstanz weitgehend
zu erhalten.
Nach der Wende wurde in das Schloss viel investiert,
so dass in den kommenden Jahren keine riesigen Aufwändungen zu
erwarten seien. Nach den Vorstellungen des Bürgermeisters verbleibt
im Falle des Verkaufes nur das bewegliche Inventar im Eigentum der
Stadt. Restauratorin Sina Klausnitz äußerte rechtliche
Bedenken bezüglich der Dauerleihgaben an Privatpersonen. Normalerweise
ist es umgedreht: Personen übergeben ihre Sammlungen an Museen,
erklärte sie.
Viele Anwesende äußerten gestern ihr Unverständnis,
dass die Stadträte auf das unseriös erscheinende Angebot
ohne Namen der Geldgeber, Referenzen und Ähnliches überhaupt
eingegangen sind. Kritische Rückfragen hatte es gleich zu Beginn
der Veranstaltung gegeben, als der Name des Reichenbacher Telewatt-Vorstandes
Wolfgang Zschorsch genannt wurde, von dem das Projekt unterzeichnet
ist. Mehrere Personen erinnerten sich, dass der frühere Hausmeister
der Datheschule den gleichen Namen trug. Er war nebenbei in der Versicherungsbranche
tätig.
Freie Presse 03.09.2005
"Vor
Schloss-Verkauf reiflich überlegen"
Der Stadtrat diskutiert heute das Hotel-Projekt - Hochtrabende
Pläne" ernten einige Skepsis - Warnung vor einem neuen Flop
Netzschkau. Heute Abend wird sich der Netzschkauer Stadtrat in nicht
öffentlicher Sitzung erstmals mit Plänen für einen
Verkauf von Schloss und Ratskeller befassen. Entscheidungen soll es
noch nicht geben. Wie berichtet, haben Investoren über eine in
Frankfurt am Main ansässige Gesellschaft der Stadt ein entsprechendes
Angebot unterbreitet. Laut Angaben von Bürgermeister Werner Müller
(SPD) handelt es sich um Investoren, die aus Reichenbach beziehungsweise
Rittersgrün stammen, also Bezug zur Region haben. Der Kaufpreis
würde sich auf zwei Millionen Euro belaufen. Das ehrgeizige Projekt
sieht die Investition von rund zehn Millionen Euro vor, mit denen
unter anderem ein Erweiterungsbau als Schlosshotel" errichtet
werden soll.
Müller steht dem Projekt derzeit aufgeschlossen
gegenüber. Er sieht gute Möglichkeiten, Sicherungsklauseln
in den Kaufvertrag einzubauen, um Risiken auszuschließen. Es
gebe eine Zusage, bereits innerhalb der ersten beiden Jahre eine Million
Euro ins alte Schloss zu investieren. Das Inventar bleibt ohnehin
Eigentum der Stadt", versichert er. Es könne den neuen Eigentümern
als Dauerleihgabe" zur Verfügung gestellt werden.
Es gibt allerdings auch skeptische Stimmen. So meint
Christa Trommer, Vorsitzende des Tourismus-Verbandes Nördliches
Vogtland": Das wäre natürlich eine touristische
Aufwertung für unsere Region. Es reicht aber fürs erste,
wenn der Investor mit dem Ratskeller beginnt." Danach könne
man weitergehen. Flops in dieser Richtung hatten wir schon,
zuletzt mit Lauschgrün", mahnt Christa Trommer. Erst im
Frühjahr waren dort Pläne für einen Ferienpark geplatzt,
in den angeblich 50 Millionen investiert werden sollten.
Ortschronist Bernd Scholz spricht von sehr
hochtrabenden Plänen". Es bleibe abzuwarten, ob ein derartiger
Hotelneubau je schwarze Zahlen schreiben könne. Bei einer
Pleite ist das Schloss verkauft, und es wird keinen Rückkauf
durch" die Stadtverwaltung geben. Das kulturelle Zentrum der
Stadt wäre spätestens dann Vergangenheit." Diese
Pläne seien auch durchführbar, ohne das Schloss zu
verkaufen: In Richtung Delicata, Parkstraße ist Platz.
Das Schloss steht offen und kann natürlich auch durch Touristen
des neuen Hotels genutzt werden." Die Stadtväter hätten
sich etwas dabei gedacht, als sie im Kriegsjahr 1943 das Schloss gekauft
und vor dem weiteren Verfall bewahrt hätten.
Michael Straub vom Vogtländischen Bergbaumuseum
Netzschkau erklärt: Es wäre schön, wenn Touristen
in die Stadt kommen. Ich glaube aber, für Netzschkau ist das
mindestens eine Nummer zu groß. Der Stadtverwaltung wird der
Verkauf recht sein, es fallen Kosten weg."
Der Historiker Peter Beyer engagiert sich schon seit
mehr als 50 Jahren für das Schloss. Er betont, ein. Verkauf müsse
reiflich überlegt" werden. Es kommt auf die
Rahmenbedingungen an. Am wichtigsten ist, dass die vorhandene
Substanz erhalten und sinnvoll genutzt wird." Der Denkmalschutz
müsse gewährleistet sein. Das Projekt berge andererseits
durchaus Chancen. Denn auf die Dauer sei es dem kleinen Schlossverein
sicher nicht möglich, das ehrwürdige Gebäude aus
eigener Kraft zu erhalten.
Salatschorsch lässt grüßen",
war der erste Gedanke von Thomas Petzoldt, dem Vorsitzenden des Kulturbunds
Reichenbach, zu den Plänen. Der Händler mit diesem Spitznamen
war einer der ersten, der nach dem Mauerfall vertrauensselige Vogtländer
verschaukelt hat. Bei solchen Angeboten ist absolute Vorsicht
geboten", so Petzoldt, Er habe schon viele Konzepte gesehen,
bei denen die angeblichen Investoren dann verschwunden seien. 15
Jahre nach der Wende müssten da bei den Stadtoberen schon die
Alarmglocken klingeln." Es sei verantwortungslos, das Engagement
von Schlossbauaktiv und Förderverein leichtfertig aufs Spiel
zu setzen, warnt Petzoldt.
Freie Presse 30.08.2005 (Text: Bernd
Appel und Petra Steps)
"Unbekannter
will Schloss umbauen"
Ein Hauptgewinn, wenn es klappen würde: Ein anonymer Investor
lässt mitteilen, dass er das Netzschkauer Schloss kaufen will.
Das denkmalgeschützte Objekt würde zu einem Schloss-Hotel
umgebaut. Im September berät der Netzschkauer Stadtrat über
das Angebot.
NETZSCHKAU - Zehn Millionen Euro sollen investiert werden, um
das Schloss zu sanieren und einen Anbau zu errichten: Es entstünde
ein Hotel mit 100 Betten in der Vier- oder Fünf-Sterne-Kategorie
- inklusive Restaurant, Wellnessbereich, Bibliothek, Haus-Brauerei
und Tagungsräumen. So steht es in einer Pressemitteilung
der in Frankfurt am Main beheimateten Telewatt.com Vermögensverwaltungs
AG. Dieses Unternehmen arbeite für den unbekannten Investor,
sagt Hans-Dieter Müller; der Kottengrüner ist nach eigenen
Angaben Freier Mitarbeiter von Telewatt.com.
Bis zur Landesgartenschau 2009 in Reichenbach, so steht es in der
Pressemitteilung, soll das Hotel stehen - 25 Arbeitsplätze sollen
entstehen. Das Hotel sei günstiger Ausgangspunkt für Touren
durchs Vogtland. Außerdem biete der Investor an, den Ratskeller
am Netzschkauer Markt zu übernehmen und im Gebäude ein Stadthotel
einzurichten. Die Investitionssumme betrüge für dieses Objekt
500000 Euro.
Am Dienstag hatte der Verwaltungsausschuss der Stadt über das
Angebot diskutiert. Nach Telewatt.com-Müllers Angaben hat sich
nur eines der zehn anwesenden Ausschussmitglieder nicht zustimmend
zum Projekt gezeigt. Bürgermeister Werner Müller spricht
von einer Chance für die Region - wenn alles so wird, wie
gesagt". Seinen Angaben zufolge wird sich der Stadtrat im September
mit dem Angebot beschäftigen, das bis Februar 2006 gelte. Auch
der Schlossförderverein soll seine Meinung sagen. Der Bürgermeister
hat den Vereinsvorstand für heute, 10 Uhr, eingeladen.
Vogtland-Anzeiger
26.08.2005 (Text: Uwe Faerber)
"Anonymer
Investor will Schloss kaufen"
Netzschkau. Der Stadt Netzschkau liegt ein verlockendes Angebot vor.
Ein offenbar anonymer Investor lässt die von ihm beauftragte
Telewatt.com Vermögensverwaltungs AG mit Sitz in Frankfurt am
Main erklären, er wolle der Stadt Netzschkau das Schloss abkaufen,
das denkmalgeschützte Gebäude sanieren und mit einem Erweiterungsbau
als Schlosshotel der Vier- oder Fünf-Sterne-Kategorie mit 100
Betten betreiben. Investitionsvolumen inklusive Restaurant, Wellnessbereich,
Bibliothek, Haus-Brauerei und Tagungsräumen: rund 10 Millionen
Euro. Bis zur Landesgartenschau 2009 in Reichenbach, so steht es in
dem an die Stadt übergebenen Angebot, solle diese Vision Realität
sein, ebenso wie 25 Arbeitsplätze. Das Projekt ordne sich touristisch
ein, sei idealer Ausgangspunkt für Burgen-, Brücken- und
Schlosstourismus. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt wolle der
international agierende Investor den Ratskeller übernehmen und
im Gebäude ein Stadthotel etablieren. Investitionssumme dort:
500.000 Euro.
Netzschkaus Bürgermeister Werner Müller
(SPD) bestätigte gestern: "Ja, das Konzept liegt vor."
Es war bereits am Dienstagabend Gegenstand einer Sondersitzung des
Verwaltungsausschusses der Stadt. Es sei "nicht so einfach, zu
entscheiden". Da das Sanieren und Bewirtschaften des Schlosses
die Kraft der Kommune übersteige, könnte das Konzept des
Investors der Stadt und der Region helfen. Er habe sich bereits beraten
lassen, es liege sogar schon ein Entwurf für einen notariellen
Vertrag vor, so Müller. Der soll sicherstellen, dass im Falle
des Scheiterns der großen Pläne die Stadt nicht als gelackmeiert
dasteht.
Im Konzept bieten die Investoren dem Netzschkauer
Schloss-Förderverein eine weit reichende Zusammenarbeit an und
versichern, das Haus soll weiter öffentlich genutzt werden, etwa
für Ausstellungen. Morgen, 10 Uhr will Bürgermeister Müller
den Vereinsvorstand über die Pläne informieren.
Freie Presse 26.08.2005 (Text: Ulrich
Riedel)