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Ein unmoralisches Angebot?


Hier finden Sie das Angebot, welches die Stadt Netzschkau erhalten hat.
In dem Dokument finden Sie auch zusammengefasste
Kommentare von Leuten die sich mit dem Projekt beschäftigt haben.

(dazu benötigen Sie den kostenlosen Acrobat-Reader, den Sie hier herunterladen können)

 

 



Offener Brief des Fördervereins Schloss Netzschkau e.V.

 

An die Damen und Herren Stadträte
des Stadtrates zu Netzschkau

Offener Brief

Netzschkau, den 4. September 2005

Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren,
 
die Mitglieder des Fördervereins Schloss Netzschkau e.V. und einige Mitglieder des einstigen Schlossbauaktivs haben sich intensiv mit den vorliegenden Plänen zum Schlossverkauf beschäftigt.
Das Schloss Netzschkau wurde von den damaligen Stadtvätern kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges gekauft, als Hunger, Kälte und Not herrschten. In aufopferungsvoller Arbeit wurden damals das Dach des Viereckturmes und die Staffelgiebel als sofortige Sicherungsmaßnahme erneuert. Zu DDR-Zeiten wurde ein erheblicher Aufwand betrieben, um das Schloss zu retten. An der Spitze standen die Mitglieder des damaligen Schlossbauaktivs. Dabei erfolgte die statische Sicherung. Es wurden eingestürzte Decken erneuert und große Teile der wertvollen Stuckdecken restauriert.
In den Jahren 1992 bis 2000 wurden 1,1 Millionen DM, davon 490.000 DM Fördermittel, in das Schloss investiert. Damit wurden die Fassade komplett erneuert, der Viereckturm saniert, das Dach instand gesetzt, der Fechtboden hergerichtet, Rund- und Viereckturmzimmer restauriert, archäologische Grabungen durchgeführt und weitere Arbeiten ausgeführt.
Seit 1998 bemüht sich der Förderverein mit ungezählten Stunden ehrenamtlicher Arbeit um die Erhaltung, die Erhöhung des Bekanntheitsgrades sowie die Nutzung des Schlosses. In dieser Zeit entstanden neue Toiletten. Das so genannte Schloss-Café erhielt einen Ofen und ist dadurch ganzjährig nutzbar. Es erfreut sich großer Beliebtheit bei Veranstaltungen und Weihnachtsmärkten. Letzte Maßnahmen waren die Erneuerung der Eingangstür und der Elektrik in den Treppenaufgängen. Mit Veranstaltungen und Projekten sorgten die Vereinsmitglieder dafür, dass das Schloss einen guten Ruf weit über die Ortsgrenzen hinaus hat. Der finanzielle Aufwand der Stadt war dafür vergleichsweise gering.
Alles Geld und unzählige Stunden von freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern trugen dazu bei, dass die liebevoll als Schlossstadt bezeichnete Stadt Netzschkau über ein wahres Kleinod verfügt. Das hier entstandene Vermögen gehört allen Einwohnern. Es sollte allen Bürgern zugänglich bleiben und nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. 
In den letzten Tagen erreichten uns umfangreiche Willensbekundungen von Netzschkauern, aber auch von auswärtigen Bürgern, die uns aufforderten, alles für die Erhaltung des gemeinschaftlichen Eigentums zu tun. Nach gründlicher Prüfung des vorliegenden Konzeptes der Firma Telewatt.com kamen wir zu dem Ergebnis, dass im Projekt vorgelegte Zahlen, Daten und Fakten in sich widersprüchlich sind. Ein tragfähiges Konzept, dass unser aller Eigentum schützt und sichert, ist nicht erkennbar. Jegliche Referenzen fehlen.
Wir empfinden es als Zumutung, dem Stadtrat ein derartig fehlerhaftes Konzept in Inhalt, Form sowie Rechtschreibung und Grammatik vorzulegen.
Wir fordern, dass sämtliche Beratungen zum Schloss öffentlich geführt werden und die Netzschkauer Bürger ein Mitspracherecht erhalten.
Wir laden alle Stadträte, Interessierten und die Netzschkauer Bürger ein, sich von der guten Bausubstanz und dem Wert des Schlosses zu überzeugen. Zum Tag des offenen Denkmals am 11. September ist dafür von 9 bis 18 Uhr Gelegenheit. Darüber hinaus können mit dem Förderverein gern Termine für Sonderführungen vereinbart werden. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, das Schloss auch künftigen Generationen zu erhalten.
In der Hoffnung auf eine gründliche Prüfung und eine Entscheidung zum Wohle der Stadt verbleiben wir mit den besten Grüßen.

Der Förderverein Schloss Netzschkau e. V.

Volker Steps

Vorsitzender